Die Ursache für das aktuelle Desaster: Die bisher ungeklärte und zwischen Experten strittige Frage, wie ein zwölf Meter hoher und direkt neben dem späten Bau liegender Steilhang aus Basalt zu sichern ist. Die Planungen sahen hierfür ein in der Schweiz entwickeltes Hochleistungsstahlnetz vor, welches – so stellte sich nun heraus – zwar in Deutschland bereits zur Sicherung von Bahnstrecken eingesetzt wird und auch eine entsprechende Zulassung nach dem Eisenbahnbundesamt (EBA) hat – für den Einsatz im privaten Bau nach der Hessischen Landesbauordnung (HBO) liegt eine solche jedoch nicht vor.
(Quele: max PR)

„Der dafür zuständige Prüfstatiker verlangt nun anstelle der Netzlösung ein nach der HBO zugelassenes System, im schlimmsten Fall müsste der komplette Hang mittels einer Betonverschalung gesichert werden“, erklärt Christ weiter. „Das wiederum hätte zur Folge, dass sich die dafür eingeplanten Kosten von etwa 160.000 Euro auf bis zu 1,2 Millionen Euro erhöhen – eine Summe, die das Projekt unwirtschaftlich machen würde.

[Die Vorteile der Netzlösung liegen eigentlich auf der Hand]
Neben dem immensen Kostenunterschied weist das Schweizer System – das in der Branche offenkundig den Stand der Technik darstellt – noch weitere Vorteile auf: Zum einen hat es mit etwa 80 bis 100 Jahren eine weitaus längere Haltbarkeit als die zugelassenen Systeme der Betonschalen (15 bis 20 Jahre), zum anderen kommen auch ökologische Aspekte zum Tragen. So könnten – trotz Stahlnetz – weiterhin Vögel in der Felswand brüten und eine dezente Begrünung würde eine zusätzliche optische Aufwertung darstellen. „Das gesamte Konzept des Bauwerks ‘Tagen im Grünen’ wäre hinfällig, denn unsere Gäste würden aus dem Veranstaltungstrakt direkt auf eine karge Betonwand blicken – das kann nicht unser Ziel sein. Daher werde ich nicht aufgeben und alles tun, um die Entscheider von der Netzlösung zu überzeugen“, versichert Christ.

[Zwischenfazit: Komplexe Bauvorhaben nie ohne anwaltliche Betreuung]
Aus ihren bisherigen Erfahrungen zieht Gabriele Christ ein kurzes Zwischenfazit: „Der Prüfstatiker nimmt als beliehener Unternehmer hoheitliche Aufgaben des Gesetzgebers und der Baubehörden wahr. In deren Interesse prüft er die Einhaltung von Vorschriften und ist berechtigt, nach seinem Sicherheitsbedürfnis all die Auflagen zu machen, die er für erforderlich hält. Ohne ihn geht also gar nichts. Jedoch – und das ist der springende Punkt – haftet er nicht. Die Haftung liegt ausschließlich bei dem Statiker und Geologen, die unsere Pläne ausgearbeitet haben. Dieses Machtungleichgewicht ist von Staats wegen so gewollt und führt zu solch schwierigen, ja ungerechten Situationen, wie sie nun bei uns vorliegen. Selbst meine Fachleute konnten mir als Bauherrin diesen Umstand im Vorfeld nicht in dieser Deutlichkeit klarmachen. Erst der Gang zum Baufachanwalt brachte Aufklärung, da jedoch waren schon erhebliche Ausgaben für Planungsarbeit und Genehmigungen getätigt worden. Es ist schade und traurig zugleich, dass man offenbar selbst ein nur moderat komplexeres Bauvorhaben nicht ohne anwaltliche Betreuung tätigen kann.“

[Christ zieht Notbremse: Kredite gekündigt und KfW-Fördermittel vorerst zurückgegeben]
Wie lange es bis zu einer endgültigen Entscheidung seitens der Behörden noch dauert, ist derzeit nicht absehbar. „Sollte man jedoch weiterhin auf der Beton-Variante bestehen, so dürfte eine Realisierung des neuen Veranstaltungstrakts in weite Ferne rücken und wir bleiben auf bereits getätigten Ausgaben für Planung, Gutachten sowie weitere Vorleistungen sitzen“, kündigt die Hoteleigentümerin an. Um weiteren Schaden von ihrem Betrieb abzuwenden, hatte Christ unlängst bereits genehmigte Kredite gekündigt und auch bewilligte Fördermittel der Förderbank Kfw vorerst zurückgegeben. Das Gesamtinvestitionsvolumen für den zweigeschossigen Erweiterungsbau hätte – inklusive Umbauten und Renovierungen des Bestandsgebäudes – bei rund 4,5 Millionen Euro gelegen. Durch die zusätzlichen zehn Veranstaltungsräume mit einer Größe zwischen 25 und 400 Quadratmetern kalkulierte das Best Western Premier Hotel Villa Stokkum mit einem zusätzlichen Umsatz von mehr als zwei Millionen im Jahr. Bereits zugesagte Veranstaltungen konnten nur zum Teil durch die bestehenden Räumlichkeiten kompensiert werden – mehr jedoch schmerzt Christ, dass sie sich auch von schon gut ausgebildetem Personal wieder trennen musste.

Weitere Informationen:
www.villastokkum.de