Die Ausbildung zu dem von der Wirtschaft stark nachgefragten Beruf – wie es in einer Pressemeldung des Ministeriums heißt - kann bereits zum kommenden Schuljahr beginnen. Die staatliche Genehmigungen liegen bereits vor.

An den Standorten Freilassing im Landkreis Berchtesgadener Land, Grafenau im Landkreis Freyung-Grafenau sowie Bad Wörishofen im Landkreis Mindelheim werden künftig junge Menschen mit Mittlerem Bildungsabschluss zu Assistenten für Hotel- und Tourismusmanagement ausgebildet. Vorzeigebeispiel mit Modellcharakter ist die Staatliche Berufsschule mit Berufsfachschulen Wiesau, die gewissermaßen als Modellprojekt gelten kann.

Auf dem Lehrplan der neuen Berufsfachschulen sollen Fächer wie etwa Deutsch, Mathematik, Spanisch, Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft, Rechtskunde und Rechenwesen, Sport und Gesundheitsmanagement, aber zum Beispiel auch Tourismusmarketing, ebenso wie praktische Fächer Küche, Service, Rezeption und Service stehen – wie vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus zu erfahren war. In dem dreijährigen doppelt-qualifizierenden Bildungsgang erwerben die Schülerinnen und Schüler zugleich die Fachhochschulreife. Danach sollen die Absolventen im Hotelgewerbe, Destinationsmanagement, in Veranstaltungs- und Eventagenturen tätig werden.

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e.V. (BHG) begrüßt die Entscheidung der bayerischen Staatsregierung, drei zusätzliche Tourismusfachschulen einzurichten. BHG-Präsident Siegfried Gallus vertritt die Meinung, dass „Ein Mehr an Tourismusfachschulen zu einem Mehr an Qualität im Tourismus führen“ werde. Allgemein setzt der BHG zwar auf die bewährte duale Ausbildung seiner derzeit fast 16.000 Auszubildenden. Ergänzend hierzu befürwortet Gallus jedoch ausdrücklich „derartige Berufsfachschulen für das Hotel- und Tourismusmanagement, um den Jugendlichen ein Angebot zu unterbreiten, die aus vielfältigen Gründen ansonsten der Branche oder Bayern verloren gingen.“

Weitere Informationen:
www.km.bayern.de
www.bhg-online.de
www.tourismconsulting.de

[Kommentar:]
So bestechend die Absicht auf den ersten Blick erscheint, neue Berufsfachschulen für Hotel- und Tourismusmanagement zu etablieren, taucht bei näherem Hinsehen doch Skepsis auf.

Einerseits gibt es bereits Tourismusfachschulen, private und staatliche Bildungseinrichtungen, Ferninstitute und Akademien in Bayern in ausreichender Zahl, um Schülerinnen und Schüler mit dem Ziel „auf mittlere Führungspositionen des Managements touristischer Unternehmen“ auszubilden , so Prof. Axel Gruner von der Hochschule München Fakultät für Tourismus. „Die IHK und andere Institutionen bilden ebenfalls Touristikfachwirte aus – mit rückläufigen Teilnehmerzahlen; auch Hotelfachschulen sind in ausreichender Anzahl vorhanden“, ergänzt Gruner.

Andererseits ist der Staat in der Pflicht, „dass jeder potenzielle Auszubildende auch einen Ausbildungsplatz erhält“, so der Tourismusexperte Waldemar Berg, Dozent an der IHK Akademie München und der Hochschule Deggendorf. Aus dieser Bildungsangebotsverpflichtung heraus scheint es zunächst durchaus sinnvoll, dass der Bayerische Staat drei weitere Tourismusfachschulen einrichtet. Eine Offerte, die BHG-Präsident Siegfried Gallus folgerichtig auch begrüßt.

Doch bei allem löblichen Engagement darf die Frage erlaubt sein, ob die Ausbilder an den (geplanten) Tourismusfachschulen über ausreichend branchenspezifisches Wissen verfügen? Zudem, entsprechen die Lehrinhalte den Anforderungen in der Alltagspraxis? Gruner „Meines Erachtens sollte mehr in die Qualität der Ausbildung sowie Ausstattung etablierter privater und staatlicher Bildungseinrichtungen investiert werden, bevor über neue Berufsfachschulen nachgedacht wird – Qualität vor Quantität.“

Pro Studiengang (zwei bis drei Jahre) fallen Kosten in Höhe zwischen 18.000 und 36.000 Euro an - „mit nur sehr wenigen oder zu vielen Praktika“, moniert Waldemar Berg und bilanziert: „In wirtschaftlich strukturschwachen Regionen suchen die kommunalen Verantwortlichen permanent nach neuen Einnahme- und Betätigungsmöglichkeiten.“ Unter diesem Blickwinkel betrachtet bedeutet das Ansiedeln neuer Tourismusfachschulen für die jeweilige Kommune u.a. mehr Konsumenten (die Schüler), bessere Auslastung leerstehender Gebäude, billige (gelegentlich auch kostenlose) Arbeitskräfte durch Studierende und höhere Gewerbesteuer, von der die Gemeinde profitiert – so Berg.

Schlussendlich ein weiterer Aspekt, den Klaus Stöttner, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Tourismus der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, in diesem Zusammenhang nennt: „Wir müssen alles daran setzen, dass unsere Nachwuchskräfte nicht nach Österreich abwandern, um die dortigen Tourismusschulen zu besuchen.“

Bleibt (wieder einmal) abzuwarten, ob und wie sich die „drei Neuen“ am Touristikmarkt bewähren werden.
[Brigitte Karch]