Die Kehrseite der Medaille: 15 Prozent haben so schlechte Erfahrungen gemacht, dass sie anderen Studenten von ihrem Praktikumsbetrieb abraten würden. "Viel gearbeitet - wenig gelernt", fasst eine Studentin ein häufig genanntes Problem zusammen. Im Gespräch beklagten Studenten vor allem unkoordinierte Aufgabenverteilung, fehlende Einarbeitungsphasen, eintönige Aufgaben und mangelnde Übernahmeperspektiven.
Meist gaben die angehenden Tourismus-Manager ihren Praktikumsplätzen aber gute Noten. Bewertet wurde auf einer Skala von eins bis fünf, mit fünf als bestem Wert. Besonders das eigenverantwortliche Arbeiten (durchschnittlich 4,15) und das gute Betriebsklima (durchschnittlich 4,12) wurden positiv bewertet. Am schlechtesten schnitt die Vermittlung von theoretischen Kenntnissen (durchschnittlich 3,14) ab. Im Schnitt verdienten die Studenten gut 300 Euro monatlich; 25 Prozent der Unternehmen zahlten ihren Praktikanten allerdings gar nichts.
Solche Praktiken findet nicht nur der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unfair, der derzeit in einer viel diskutierten Petition beim Bundestag eine Mindestvergütung von 300 Euro monatlich fordert. Auch Elke Schade, geschäftsführender Vorstand der Ringhotels e.V., findet, dass Praktika bezahlt werden sollten; mit 300 Euro könnten Arbeitgeber leben. Leider sehe die Branche studentische Praktikanten oft nur als billige Arbeitskräfte; gerade die Privathotellerie wisse meist nichts mit den jungen Akademikern anzufangen. Mögliche Folgen: Studentische Praktikanten werden gar nicht erst eingestellt oder aber unterfordert. Für die Unternehmen lohne sich die Einstellung von Praktikanten allemal, meint Hospitality-Professor Axel Gruner, der vor seiner Berufung an die FH München selbst lange Zeit Hotels managte: "Ein Praktikant ist nach spätestens einer Woche wertvoll für den Betrieb."
Zudem nehmen laut Frank-Ulrich John, Pressesprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG), gesetzliche Regelungen den Studenten die Möglichkeit, ihre Karriere selbst zu bestimmen.
