Die öffentlich sehr emotional und offensichtlich auch unsachlich geführte Diskussion über die Verwendung der zu erwartenden Mehrwertsteuer-Reduzierung, die Ausführungen von Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit München zum Thema „Kurzarbeit“ sowie der Vortrag über aktuelle und mittelfristige touristische München-Highlights von Dr. Gabriele Weishäupl, Chefin des Tourismusamtes München (TAM), bildenden die thematischen Schwerpunkte der Hoteliersversammlung der BHG-Kreisstelle München.
Die Freude über die in greifbare Nähe gerückte Mehrwertsteuer-Reduzierung von 19% auf 7% - zu mindest für die Hotellerie - hätte der Beherbergungsbranche das bevorstehende Weihnachtsfest etwas versüßen können. Wenn da nicht die Medien wären – TV wie auch angesehene Tageszeitungen, die unsachgemäß und polemisch, diese im europäischen Mehrwertsteuer-Konzert längst fällige Steuerermäßigung seit Wochen an den Pranger stellen. Grundtenor der öffentlich vorgebrachten Vorwürfe: die Hotellerie werde die Mehrwertsteuer-Reduzierung in keiner Weise an ihre Gäste weitergeben. Vielmehr stecke die Branche den „Mehrwert“ in die eigene Tasche – so die überzogene, vermeintlich gerechtfertigte Medienkritik.
BHG-Präsident Siegfried Gallus sprach in seinem Grußwort „von ungerechtfertigtem Kampf gegen die Branche“ und: „das ist unseriös, was da passiert“. Er rief seine Kollegen auf, mit Testimonials zu kämpfen und darzulegen, „was mit den eingesparten Beträgen tatsächlich geschieht“.
Dipl.-Kfm. Conrad Mayer, BHG-Kreisvorsitzender München, zweifelt gehörig an der sachlichen, nach demokratischen Gesichtspunkte geführten Diskussion und Berichterstattung der Medien zum Thema „Verwendung eingesparter Mehrwertsteuer-Reduzierung“. Abgesehen davon, dass eine endgültige Koalitionsentscheidung erst am 18. Dezember 2009 fallen wird, entbehren die Argumente mancher Medien jeglicher Grundlage – so Conrad Mayer mit kaum verhohlener Vehemenz. Conrad Mayer geht sogar noch einen Schritt weiter und vermutet eine „Kampagne gegen die Branche“. Hier sollten insbesondere Reisemittler „einmal ihre verdeckten Aufschläge“ offenlegen – kontert der BHG-Kreisstellen-Vorsitzende vieldeutig.
Dass die Gäste eben nicht „leer ausgehen“ - wie von der „Süddeutschen Zeitung am 3. Dezember 2009 in einem Artikel behauptet - beweisen folgende Zahlen: So werden laut einer Umfrage von den „gewonnenen“ Steuern 46,6% zum Beispiel in die lokale Wirtschaft (wie etwa Handwerksbetriebe) fließen und 22,1% werden an Lohnerhöhungen und zur Qualifizierung für Mitarbeiter ausgegeben werden. Fazit: rund 90% der Mehrwertsteuer-Einsparungen werden zur Verbesserung des Preis-Leistungsverhältnisses genutzt werden.
Diese Optimierungsmaßnahmen müssten die Kollegen noch stärker und deutlicher sichtbar den Gästen gegenüber herausstellen. „Machen Sie beim ServiceQualität mit, es ist eine hervorragende Möglichkeit, sich selbst zu überprüfen, ein großartiges Instrument, vor allem auch im Hinblick auf 2018, also zur Bewerbung von München für die Olympischen Winterspiele,“ so der dringende Appell von Mayer. Dabei sei man durchaus zuversichtlich, den Zuschlag für München zu erhalten. Die Münchner Hotellerie habe mit dem fest zugesicherten Kontingent von 50.000 Zimmern ihre feste Bereitschaft schon mal unter Beweis gestellt.
In Bernd Becking scheint die Münchner Hotellerie und Gastronomie einen willkommenen Mitstreiter gefunden zu haben. Er zeichnete in seinen Ausführungen überzeugende Perspektiven und handfeste Lösungswege auf, im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit. Sein Fazit: der Münchner Arbeitsmarkt erweist sich mit einer im Hinblick auf die Bundesrepublik vergleichsweisen niedrigen Arbeitslosigkeit von 4,9% als weiterhin robust. Dennoch sei im Januar/Februar 2010 mit steigender Arbeitslosigkeit zu rechnen. An das Gastgewerbe appellierte Becking: „Bevor Sie Mitarbeiter ausstellen, sprechen Sie mit der Agentur! Kurzarbeit und Qualifizierung sind bessere Alternativen als Menschen zu entlassen und später dann neu rekrutieren zu müssen.“ Abschließend unterstrich Bernd Becking ausdrücklich die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband e.V. (BHG), insbesondere mit Susanne Droux, BHG-Geschäftsführerin für Berufsbildung/ Branchenförderung.
Das kommende Jahr ist in München von touristischen Großveranstaltungen geprägt, erklärte
Dr. Gabriele Weishäupl, die mit besonderem Beifall für ihr erstmaliges Auftreten im Kreis einer BHG-München-Hoteliersversammlung bedacht wurde. So feiert das Tourismusamt München am 1. April 2010 sein 50-jähriges Bestehen. Das Oktoberfest wird zum 200. Mal stattfinden und mit einem außergewöhnlichen Wiesn-Programm punkten. Mittelpunkt der 16- evtl. auch 17-tägigen Veranstaltung werde eine Pferderennbahn sein, umgeben von einer Nostalgie-Zeltstadt. Teilnehmer und Sponsoren willkommen!
Und auch die Passionsfestspiele in Oberammergau gehören hier mit zu den Highlights ebenso wie der Ökomenische Kirchentag im Mai, zu dem 200.000 bis 250.000 München-Besucher erwartet werden. Zwar habe man bislang das Münchner Oktoberfest nicht offensiv beworben, doch in 2010 werde es eine Ausnahme geben. Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) beteilige sich an den München-Aktivitäten und werde im Ausland besonders für München werben, und zwar ebenfalls im Hinblick auf die mögliche Vergabe der Olympischen Winterspiele. „Winterstars“ nennt sich dazu das gemeinsame Auftreten von by.TM, Tourismusverband Oberbayern sowie den Wintersportorten Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden. „Mit diesem Werbeverbund wollen wir für 2018 unsere touristischen Facetten der ganzen Welt zeigen“, betont Frau Weishäupl. Bereits zu den Winterspielen im Februar 2010 in Vancouver werde man mit ZDF/ARD und der Reisebranche für den Standort München werben. In 2011 widmet man sich so eleganten Themen wie „Das Blaue Jahr“, eine Ausstellung mit den „Blauen Reitern“ ebenso wie mit dem 125. Todestag von Ludwig II., dessen Lieblingsfarbe Blau war.
[Brigitte Karch]
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