Exemplarisch für die Branche bezogen Innegrit Volkhardt, Geschäftsführende Gesellschafterin des 5-Sterne Hotels Bayerischer Hof, Willi Mehlhart, 3-Sterne Restaurant-Pension Jägerhof, Bernau am Chiemsee, sowie Wolfgang Friedel, Besitzer des 4-Sterne Superior Parkhotels Bayersoien am See, Bad Bayersoien, engagiert Stellung.

Die in den vergangenen Monaten in verschiedenen Medien im Zusammenhang mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz immer wieder vorgebrachte Argumentation, bei der Mehrwertsteuerreduzierung auf Beherbergungsdienstleistungen von 19 auf 7 Prozent handle es sich um Klientelpolitik, ist aufgrund der nunmehr vom DEHOGA vorgelegten Umfrageergebnisse inhaltlich in sich zusammengebrochen. Bis Ende März haben sich bundesweit 2.800 Hoteliers, davon 274 aus Bayern, beteiligt. Immerhin wollen über 90 Prozent der befragten Betriebe in Deutschland und 98,4 Prozent in Bayern die Mehrwertsteuersenkung für Investionen nutzen.

Von dieser branchenspezifischen Steuererleichterung gehen wichtige konjunkturelle Wachstumsimpulse aus: der Erhalt von Arbeitsplätzen, in Verbindung mit einer klugen Mitarbeiterpolitik sowie eine lebhafte Investitionstätigkeit – mit einhergehender Auftragsvergabe an andere regionale Dienstleistungsbetriebe. „Bundesweit planen diese Hotels rund 507 Mio. Euro, davon 101,6 Mio. Euro in Bayern für Neuanschaffungen, Modernisierungen und Umbauten zu investieren“, betonte Siegfried Gallus. Neben der Schaffung neuer Vollzeit- und Teilzeitstellen sowie Ausbildungsplätze konnten aufgrund der Wirtschaftskrise dennoch auch akut gefährdete Jobs gesichert werden. Zudem wird die ersparte Mehrwertsteuer in höhere Löhne und Qualifizierung der Mitarbeiter verwandt. 33,5 Prozent (in Bayern 32,8 Prozent) der befragten Unternehmen haben um durchschnittlich 6,5 Prozent ihre Zimmerpreise gesenkt.

Länder mit einem hohen Anteil an Businesshotels mussten hingegen einen entsprechend höheren Anteil der Steuererleichterungen an die Firmenkunden durchreichen, erklärte der BHG-Präsident, da für diese die Senkung der Mehrwertsteuer indirekt eine Erhöhung der Zimmerpreise bedeutete. Folglich steht dort den Hoteliers weniger Geld für Investitionen zur Verfügung. Bundesweit senkten 33,6 Prozent (Bayern 27 Prozent) aller Befragten ihre Zimmerpreise.

„Wenn die Investitionsbereitschaft mit dieser Intensität anhält, werden auch die Steuermindereinnahmen der Gemeinden mittelfristig größtenteils kompensiert“, gibt sich Wirtschaftsminister Zeil zuversichtlich. Dazu Siegfried Gallus: „Die Steuermindereinnahmen betragen bundesweit 19 Mio. Euro. Das macht bei 11.513 Städten und Gemeinden gerademal 1.650 Euro pro Gemeinde! Darüber sollte man einmal nachdenken!“

[Branchenstimmen:]
[Innegrit Volkhardt:] „Für 2010 hatten wir Investitionen für Umbauten in Höhe von 4 Mio. Euro eingeplant. Durch die Mehrwertsteuerreduzierung konnten wir diesen Betrag auf 6 Mio. Euro aufstocken. Endverbraucher haben – im Gegensatz zu Firmenkunden – keinerlei höhere Belastungen durch den ermäßigten Mehrwertsteuersatz. Mit ganz geringen Ausnahmen zeigten sich unsere Firmenkunden verständnisvoll. Dankbar sind wir auch, dass die Frühstücksabrechnung seitens der Finanzämter nachgebessert wurde. Im Übrigen gehen wir alle mit der Mehrwertsteuerreduzierung sehr sorgfältig um!“

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[Willi Mehlhart:] „Als Familienbetrieb mit 12 Zimmern (19 Betten), einem Restaurant mit 30 Sitzplätzen und 5 km Luftlinie von der österreichischen Grenze entfernt, haben wir innerhalb der vergangenen 20 Jahre rund 200.000 Euro Eigenmittel für Investitionen aufgebracht. Jetzt stehen Investitionen an von 7.800 Euro zur Einstellung eines Auszubildenden, 3.000 Euro für Modernisierung unserer Hard- und Software sowie 6.000 Euro zur Modernisierung der Zimmer. Aufgrund der Mehrwertsteuerreduzierung können wir die daraus resultierenden 8.000 Euro gut einsetzen. Wichtig wäre für uns, dass man weiterhin daran bleibt, um die Mehrwertsteuer auch für den Gastronomiebereich zu senken. Wir haben aus Mangel an Kunden mittlerweile unser Restaurant mittags geschlossen. In Österreich denkt man derzeit darüber nach, die Mehrwertsteuer für die Gastronomie sogar auf 3 Prozent zu senken!“

[Wolfgang Friedel:] „Bereits Ende vergangenen Jahres standen wir in den Startlöchern, um geplante Baumaßnahmen durchzuführen. Jetzt geben wir Vollgas und haben bereits mit dem 1. Bauabschnitt begonnen. Die Mehrwertsteuerreduzierung ermöglicht uns Renovierung im Bestand, Erweiterung und Ausbau des Medical-Wellnessbereich sowie ein Außenpool unter energetischen Gesichtspunkten zu realisieren. Das geplante Investitionsvolumen liegt bei 2,3 Mio. Euro. An der Mehrwertsteuerreduzierung partizipieren aber ebenso unsere Gäste, weil wir die Preise um 3 Prozent gesenkt haben sowie unsere Mitarbeiter. Im Übrigen halte ich die Debatte über Finanzierungsproblematik für übertrieben. Wir führten Gespräche bei Banken und der Kredit floss!“

Weitere Informationen:
www.dehoga-bayern.de
www.bayerischerhof.de
www.jaegerhof-bernau.de
www.parkhotel-bayersoien.de
www.stmwivt.bayern.de