Der Tag des Bayerischen Gastgewerbes erwies sich mehr denn je als eine überaus beeindruckende Leistungsschau; denn das mit über 2.200 gastgewerblichen Unternehmern aus ganz Bayern bestens gefüllte ICM "dokumentiert schon recht eindrucksvoll die Leistungskraft unserer Branche", wie der BHG-Präsident betonte. Immerhin habe jeder einzelne Unternehmer dazu beigetragen, "die Spitzenposition des Tourismuslandes Bayern zu sichern oder gar auszubauen", dabei "repräsentieren die anwesenden 300 Betriebe nur einen kleinen Anteil an vielen, vielen weiteren Vorzeigebetrieben in ganz Bayern."
In seiner äußerst engagierten und oftmals von Beifall unterbrochenen Grundsatzrede rückte Gallus immer wieder die wirtschaftliche Bedeutung des Gastgewerbes in Bayern in den Mittelpunkt seiner Aussagen. Mit 16.200 Ausbildungsplätzen, die die über 42.000 gastgewerblichen Betriebe in Bayern, in denen rund 310.000 Menschen beschäftigt sind, im vergangenen Jahr geschaffen habe, "können wir mehr als stolz sein".
Im Rahmen der Podiumsdiskussion waren sich Emilia Müller, MdL, Staatsministerin Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie (StMWIVT), Joachim Hunold, CEO Air Berlin, sowie André Witschi, Vorsitzender des Vorstandes Steigenberger Hotels AG und Siegfried Gallus, waren sich darin einig, dass die in der Vergangenheit viel zitierte "Service-Wüste Deutschland" längst einem positiven Bild gewichen ist. Vielmehr trage die Branche unendlich viel zum Bruttoinlandsprodukt mit bei, nicht zuletzt aufgrund einer Service orientierten Einstellung.
Gebetsmühlenartig ging Gallus in seiner Rede auf das Rauchverbot ein, bei dem BHG stets eine freiwillige Lösung favorisiert habe. Neben der Forderung nach Reduzierung deder Mehrwertsteuer, die nicht nur zur Erhöhung von Arbeitsplätzen, sondern auch zur verstärkten Investitionsbereitschaft des Gastgewerbes führen würde, liegen dem BHG aber auch die Rundfunkgebührenbelastung in der Hotellerie besonders schwer im Magen. Hier fordere der Verband, "eine deutlich spürbare Entlastung". Auch die Wirtequalifizierung zählt zu den weiteren Forderungen, die der BHG seit Jahren laut anmahnt. Zudem müsse das Jugendarbeitsschutzgesetz den heutigen Lebensgewohnheiten angepasst werden, um so den Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz im Gastgewerbe höhere Chancen einzuräumen. Konkrete Forderung: Der Beginn der Nachtruhe muss zumindest auf 23.00 Uhr, das Arbeitsende an den Vorabenden von Berufsschultagen auf 21.00 Uhr und die maximale Schichtzeit auf 12 Stunden heraufgesetzt werden.
War bislang die Hotelklassifizierung nur auf die "Hardware" eines Hauses begrenzt – was Kritiker seit Jahren bemängelten – wurde nunmehr auch eine Lösung zur Beurteilung der "Software", nämlich die Servicequalität eines gastgewerblichen Betriebes, gefunden. Den rhetorisch "offiziellen Startschuss" für Servicequalität Bayern gab Siegfried Gallus im Rahmen dieser Branchenveranstaltung. Die Initiative wird koordiniert durch die BTG Bayern Tourist GmbH, die auch für die Hotelklassifizierung verantwortlich zeichnet. Träger ist der BHG. Das Projekt wird durch die Bayerische Staatsregierung in Höhe von 500.000 Euro gefördert.
Vehement will sich der Bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein, der die Gastrede hielt, für ein "anforderungsgerechtes Arbeitsschutzgesetz für junge Menschen" einsetzen. Gleichwohl legte Beckstein ein überzeugendes Bekenntnis ab für den "Servicegedanken und die meist mittelständische Struktur" des bayerischen Gastgewerbes, das einen Jahresumsatz von 12 Mrd. Euro erwirtschafte. Vor allem haben familiengeführte Betriebe ihren festen Platz in der bayerischen Gastronomie und Hotellerie.
In einem mehrstündigen Urkunden- und Auszeichnungsmarathon wurden rund 300 Gastronomen und Hoteliers mit dem Bayerischen Wirtebrief und der Hotel- bzw. Gasthof-Klassifizierung ausgezeichnet. Gemeinsam mit Staatsministerin Emilia Müller überreichte der BHG-Präsident die Urkunden. Mit über 1.800 klassifizierten bayerischen Hotels und rund 210 mit G-Sternen versehenen Gasthäusern und Pensionen "beträgt der Klassifizierungsgrad in Bayern rund 25 Prozent", unterstrich die Staatsministerin.
Im abschließenden Ehrenlauf war es der Ministerpräsident, der zusammen mit Siegfried Gallus über 230 Betriebe für ihre 50- bzw. 60-jährige Verbandsmitgliedschaft ehrte.
[Text und Fotos: Brigitte Karch]
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