Das will das neu gegründete Europäische Institut für profitable Milchproduktion ineda ändern.
Ineda mit Sitz in München, geht auf eine Initiative von Tierärzten zurück. Direktor Dr. Gerhard Reszler ist Facharzt für Rinder und sieht in der Verbesserung der Tiergesundheit die beste Möglichkeit für eine rentablere Milchproduktion. „Tiergesundheit ist ein Wettbewerbsvorteil.“ Wenn sich Kühe wohlfühlten, blieben sie auch gesund. Weshalb der aus den USA stammende Begriff des „Kuhkomforts“ hierzulande langsam Eingang in die Ställe findet mit trittsicherem Untergrund und bequemen Liegeboxen. Nicht höhere Milch-Tagesleistungen, sondern lange Nutzungsdauer und hohe Lebensmilchleistung seien erstrebenswert. Ineda-Spezialisten beraten die Landwirte dazu vor Ort und analysieren den Produktionsablauf (Haltung, Fütterung, Management).
In Deutschland arbeitet nur noch rund jeder zehnte milchwirtschaftliche Betrieb auf gesunder ökonomischer Basis. Fällt 2015 die EU-Milchmengenbegrenzung weg, kann das über die Hälfte der Milchviehhalter die Existenz kosten. Langfristig hat die Branche durchaus Chancen, denn „der Milchpreis wird wieder steigen und auch die Nachfrage zunehmen“. Vor allem osteuropäische und asiatische Märkte werden nach Meinung des Ineda-Direktors bis 2020 ein zweistelliges Nachfrageplus bringen. „Das hilft den Milchbauern, die heute zwischen 20 und 25 cent pro Liter erzielen, freilich gar nichts.“ Es sei paradox, wenn ein Liter Frischmilch billiger sei als ein Liter Mineralwasser.
Ineda will neben der Ökonomie auch die Ökologie in Landwirtschaft und Milchproduktion fördern mit Fokus auf Tierschutz und Verbraucherschutz durch die Produktion hochwertiger Lebensmittel. Entwickelt werden ebenso Ideen für die Vermarktung von Milch (und Fleisch), wie es derzeit Milchbauern am Bodensee mit einer eigenen Marke verwirklichen.
Der Druck, unter dem der Milchmarkt aktuell steht, hat hauptsächlich drei Ursachen: Überproduktion, veränderte Rezepturen der Lebensmittelindustrie, die tierische Fette zunehmend durch pflanzliche Fette ersetzt, sowie die Wirtschaftskrise bzw. die zunehmende „Preisempfindlichkeit“ der Verbraucher. Ineda sieht sich u.a. als Ansprechpartner für Milchviehhalter, Tierärzte, Hochschulen, Banken (Kreditgeber). Auch für eine Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen und Organisationen sei man gerne bereit.
[Doris Losch]
Weitere Informationen:
www.ineda.eu
