Rückläufige Konjunkturdaten, Übernahmeschlachten im internationalen Braumarkt, Preiskämpfe und nicht zuletzt sinkender Bierkonsum – die aktuelle Lage der Braubranche sieht nicht eben rosig aus. Dass es dennoch oder gerade deshalb Wege aus der Krise gibt, war eines der Themen, die im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung standen.

Insbesondere sind tragfähige Konzepte gefragt, die volks- und betriebswirtschaftliche Gegebenheiten ebenso berücksichtigen wie etwa „weiche Faktoren“, sprich Unternehmenskultur oder beispielsweise die wirksame Aussagefähigkeit von Werbebotschaften beinhalten. Angesagt sind in diesem Zusammenhang die Wiederentdeckung und Wertschätzung des Kulturgutes Bier. Kurz gefasst: um neue Zielgruppen zu erschließen, ist das Lancieren einer Genusskultur für den edlen Gerstensaft unerlässlich.

„Wir haben keine Angst vor der Vertriebsschiene Discount“ - so lautete eine der Kernaussagen von Andreas Reimer, Vertriebsdirektor „Internationale Division“ der Bitburger Braugruppe sowie Geschäftsführer für die zur Gruppe gehörende Köstritzer Schwarzbrauerei und Wernesgrüner. In seinem pointierten Vortrag „Wachsen gegen den Trend – Mit Kontinuität und behutsamer Veränderung in den grünen Bereich?!“ zeigte Reimer auf, mit welcher Konsequenz man auf die Trends – insbesondere im Osten Deutschlands reagiert habe. So habe die Überalterung und die Verarmung der Bevölkerung dazu geführt, dass „der Vertrieb Discount die Nahversorgungsfunktion übernommen hat.“ Als Folge dieser Entwicklung habe sich für Wernesgrüner ergeben, auch über den Discounter Lidl zu distribuieren.

Dr. Friedrich Georg Hoepfner, Sprecher der Geschäftsführung Brauholding International und Geschäftsführer der zum Konzern gehörenden Fürstlichen Fürstenbergischen Brauerei, verwies in seinen Ausführungen „Unternehmenskultur als strategischer Erfolgsfaktor – gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten!“, dass Unternehmenskultur keineswegs Luxus sei, sondern im Gegenteil ein wesentliches Führungsinstrument darstellt. Zwar könne in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Kosten zur Aufrechterhaltung einer gelebten Unternehmenskultur belastend wirken, doch gerade dies ist die „Kernaufgabe für jedes Management, genaue Unternehmenswerte zu definieren und ausreichend Spielraum zu geben, damit sie auch eingehalten werden können“, betonte Hoepfner und ergänzte: „Die derzeitige wirtschaftliche Krise birgt insbesondere auch die Chance für erfolgreiches Change Management.“

Zum Thema „Von hoch kreativ bis grottenschlecht – Lehren aus der Bierwerbung“ sprach Peter Blähser, langjähriger Dozent für Kommunikationsforschung an der Akademie für Marketing Kommunikation, Frankfurt, und Kolumnist in der Fachzeitschrift Brauindustrie. Er verdeutlichte anhand eines ausführlichen Diavortrags die „Musts“ überzeugender Bierwerbung und prangerte – durchaus subjektiv betrachtet – Negativbeispiele an.

Mit der ausgesprochen genussvollen Bier-Thematik „Die Kunst des Degustierens und Genießens – Ein Biersommelier berichtet“ zog Dr. Wolfgang Stempfl die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Stempfl, der seit 2001 der Akademie Doemens als Geschäftsführer und Schulleiter vorsteht, hat sich in den vergangenen Jahren insbesondere der so wichtigen Biersommelier-Ausbildung gewidmet. Voller Leidenschaft und Überzeugung zeigte Stempfl auf, wie ein Biersommelier zur Aufwertung des Bieres beitragen kann. Gleichwohl verknüpfte der Bierexperte Theorie mit der Praxis und zeigte anhand zahlreicher Beispiel auf, welche sensorischen Biermerkmale und Geschmacksfehler es zu beachten gilt, wenn man sich dem Bier von seiner genussvoll-genießerischen Seite nähert.
[Brigitte Karch]

Weitere Informationen:
www.euroforum.com
www.iir.de