Auf einer Ausstellungsfläche von etwa 1.500 Quadratmeter werden knapp 1.000 Exponate gezeigt. Alles in allem eine absolut sehenswerte Ausstellung zur Jubiläums-Wiesn.
Der Rundgang durch die Ausstellung, kommentiert von Dr. Florian Dering, stellvertretender Direktor des Münchner Stadtmuseums, und begleitet von Ursula Eymold, Ausstellungskuratorin, beginnt mit dem schrillen Wiesn-Wahnsinn, wie ihn der heutige Oktoberfestbesucher kennt.
Kontrastreich geht es durch die 200-jährige Geschichte, die der Besucher an den Exponaten ablesen kann. Doch es sind auch die Hintergrundinformationen, die die Ausstellung gleichermaßen so bemerkenswert machen.
So haben die Nationalsozialisten diese große Ansammlung von Menschen und dieses populäre Ereignis nicht für ihre politische Interessen genutzt.
Eine weitere Erkenntnis, die die Ausstellung den Besuchern zu vermitteln sucht, ist die Konstanz der Feststrukturen seit 1949. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestimmen folgende Festelemente das Programm: Einzug der Wiesnwirte, Trachten- und Schützenzug, Zentral-Landwirtschaftsfest und Oktoberfest-Landesschiessen (der Wettbewerb um den Landes-Schützenmeister).
Der Betrieb der Festhallen und Schausteller wurde wie vor dem Krieg weitergeführt. Im Jahr 1950 kam als neues Element die Eröffnung des Festes durch den Oberbürgermeister hinzu. Er übernimmt die Arbeit eines Schankkellners, zapft das erste Fass an und mit seinem Ruf „Ozapft is!“ gibt er der Startschuss zum allgemeinen Festbetrieb. Die Ausstellung feiert in gewisser Weise auch das 60-jährige Jubiläum dieses neu gestalteten Oktoberfestes.
Die dritte wesentliche Veränderung des Festes ist innerhalb dieser konstanten Strukturen auszumachen: Die Besucherzahlen bleiben seit den 1960er Jahren bei rund 6 Millionen, der Bierkonsum dieser Besucher stieg jedoch von rund 3 Millionen auf 6,5 Millionen. Das Fest hat sich somit als Bierfest etabliert.
Der aktuellste Wandel des Festes ist die Verjüngung der Besucher. Durch ein attraktives Musikangebot in den Festzelten ist es den Wiesnwirten gelungen, die jungen Münchner zu gewinnen auf dem Oktoberfest eine ausgelassene Party zu feiern. Zu ihrem Fest gehört auch der Auftritt in Wiesndirndl und Lederhose. Ihre ganze Buntheit und Schrillheit, mit prominenten Vorbildern aus den Medien ergibt das wilde, laute, unvergessliche Abschlussbild der Ausstellung. Ein anhaltendes Lachen begleitet den Besucher auf dem Weg zurück in den Alltag.
Da Wahnsinn ohne zur Explosion zu führen nicht steigerbar ist, wird sich in den nächsten Jahren das Geschehen auf dem Festplatz beruhigen und werden vielleicht historische Festelemente wieder gefragt. Wir wünschen dem Oktoberfest für die nächsten 200 Jahre weiterhin seine Wandlungsfähigkeit. Damit ist sein Erhalt und seine Attraktivität gesichert.
[In Auszügen: Münchner Stadtmuseum]
Die Ausstellung: Das Oktoberfest 1810 - 2010 zeigt das Münchner Stadtmuseum vom 9. Juli bis 31. Oktober 2010.
Weitere Informationen:
www.brikada.de
www.stadtmuseum-online.de
