Der Kunsthistoriker Dr. Gerald Volker Grimm von der Universität Bonn hat nun Hinweise darauf gefunden, dass schon vor Gutenberg mit einzelnen Buchstaben gedruckt wurde – in Reliefs aus Ton, die etwa für Altäre gebräuchlich waren.
Die „Wormser Bilderbäcker“ waren im Spätmittelalter bekannt für ihre Skulpturen und Reliefe. „Backen“ bedeutete in der damaligen Zeit so viel wie festigen in einem Ofen. „Neben Brot wurden damals deshalb auch Keramiken gebacken“, berichtet Dr. Gerald Volker Grimm, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung für Kunsthistorik der Universität Bonn. In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt untersucht er diese kleinen Meisterwerke des Bilddrucks aus dem 15. Jahrhundert.
Besonders bekannt sind die Wormser Bilderbäcker, deren Reliefe und Skulpturen als Vorlagen weite Verbreitung fanden. Gutenberg soll um das Jahr 1450 mit dem Druck von Blättern und Büchern begonnen haben. Die Tonfragmente mit den Buchstaben wurden jedoch Jahre vorher hergestellt, wie die von Wolfram Giertz (Aachen) bestimmten Gebrauchskeramiken der Grube belegen.
Einige der Fundstücke aus der Grabung sowie aus der Wormser Werkstatt sind in der Doppelausstellung „Ungeliebte Kinder der Kunstgeschichte – Kleine Meisterwerke des Bilddrucks“ bis 16. Oktober im Haus Löwenstein und im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, Markt 39-41, zu sehen.
Weitere Informationen:
www.uni-bonn.de
