4000 Jahre alte Keilschriften aus Mesopotamien verraten wenig über die damalige Brautechnologie
Archäologische Funde von Keilschrifttafeln und Überresten verschiedener Gefäße aus der Zeit vor über 4000 Jahren bezeugen es: Schon zu Beginn der Zivilisation stand vergorener Getreidesaft bei den Bewohnern Mesopotamiens hoch in Kurs.
Was aber außer den beiden Basisingredienzien Gerste und Emmer – einer Weizenart – in den Tonkrügen der Sumerer vor sich hinbraute, ist weitgehend unbekannt. Trotz der Fülle der Fundstücke und Überlieferungen, die auf frühe Vorlieben für Getränke aus vergorenem Getreide hinweisen, ist es schwierig, die alten Methoden der Brauer zu rekonstruieren, so Peter Damerow. In einem Fachartikel hat sich Damerow, der Ende November 2011 in Berlin verstorben ist, ausführlich mit den Bierbrautechnologien der Sumerer befasst. Darin äußert er große Zweifel, ob das in der Antike hochpopuläre Gebräu überhaupt ein Bier gewesen sein könnte.
Zudem widersprach der Wissenschaftler der weit verbreiteten Theorie, wonach die Braumeister Mesopotamiens gebackenes Fladenbrot aus Gerste oder Emmer in ihre Maische gebröckelt haben.
Das so genannte "Bappir" (sumerisch für „Bierbrot") ist in den administrativen Texten nie wie Brot gezählt worden, sondern in Maßeinheiten wie auch grobgemahlene Gerste registriert wurde.
Auch die "Hymne an Ninkasi", eine der wichtigsten Quellen zur antiken Braukunst liefert nach Damerows Auffassung keineswegs verlässliche Informationen über die Bestandteile und Abfolge des Brauvorgangs. Dieser lyrische Text aus der altbabylonischen Zeit um 1800 v. Chr. beinhaltet in Form eines mythologischen Gedichts oder Gesanges eine Glorifizierung des Bierbrauens. Damerow zufolge wird das Procedere des Brauprozesses trotz des kunstvollen Versmaßes nicht schlüssig wiedergegeben.
Originalveröffentlichung: Peter Damerow Sumerian Beer: The Origins of Brewing Technology in Ancient Mesopotamia. Cuneiform Digital Library Journal 2012:2 ISSN 1540-8779 Version: 22 November 2011, Preprint
Weitere Informationen:
Simone Rieger, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin, Telefon: +49 30 22667-121, Fax: +49 30 22667-299, E-Mail: public@mpiwg-berlin.mpg.de
