So hundertprozentig wie Anno Tobak bei der Hochzeit von Kronzprinz Ludwig und Prinzessin Therese wird es aber doch wohl nicht schmecken. Die Münchner Brauereien richten sich nach heutigen Qualitätsstandards, wie Andreas Steinfatt, 1. Vorsitzender des Vereins Münchener Brauereien e.V., auf einer Pressekonferenz betonte. Das historische Bier werde bernsteinfarben im Kruge schimmern und malzblumig munden. „Unser Jubiläumswiesnbier orientiert sich in Farbe und Alkoholgehalt daran, was vor 200 Jahren getrunken wurde.“ Die Stammwürze betrage mindestens 13,5 %, eben wie ein anständiges Wiesnbier. Alle Rohstoffe kommen aus der Region in und um München, das Brauwasser wie üblich bei Münchner Bier aus 200 m Tiefe unter der Landeshauptstadt. Bloß der Preis orientiert sich nicht an den Verhältnissen vor zwei Jahrhunderten, er liegt gleichauf mit einer zeitgenössischen Maß und damit maximal bei 8.90 Euro.
Das Jubiläumsbier wurde von den Braumeistern der sechs Münchner Traditionsbrauereien Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spatenbräu in harmonischer Eintracht kreiert. Anlässlich des Münchner Brauertags am 19. Juni gelobten die Braumeister feierlich und mit der Hand auf dem Herzen, allerstrengste Geheimhaltung des Rezepts. Es wird nur eine bestimmte Menge des Bieres gebraut – wieviel ist ebenfalls geheim – und nur zur Jubiläumswiesn, auch wenn die Nachfrage darüber hinaus gehen sollte. Keine Chance auf mehr. Das Bier gibt es exklusiv während es Oktoberfestes im historischen Festzelt.
Auf der Pressekonferenz zum Jubel-Bier hatte auch das neue Münchner Kindl einen seiner ersten Auftritte in der Öffentlichkeit. Maria Newrzella, 16 Jahre jung, posierte vor den Sudkesseln im Silo der Spaten-Franziskaner-Bräu GmbH und hielt einen Maßkrug aus Pappmaché hoch. Das Jubiläumsbier wird übrigens wie einst in Steinkrügen ausgeschenkt.
Mit dem Biergeschäft 2010 sind die Brauereien nicht hundertprozentig zufrieden: zu kalt, zu regnerisch war das Jahr bislang, nur wenige Tage mit Biergartenwetter lockten die Münchner ins Freie. Dennoch gibt es keinen Grund zum Jammern. Von 2005 bis 2009 nahm der Gesamtbierausstoß um + 2,06 % auf 121.806 hl zu, während die Vergleichszahl in Bayern bei – 1,77 % und in ganz Deutschland bei 5,36 % lag.
[Doris Losch]
Weitere Informationen:
www.muenchner-bier.de
