Die Erkenntnis, dass die Stadt mit dem Oktoberfest mehr direkte Einnahmen erzielen könnte, ist trivial. Seit Anfang der 1970-er Jahre besteht Konsens bei der Landeshauptstadt München darüber, dass kein Gewinn mit den Oktoberfest-Standgeldern erzielt werden soll. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Stadt vom Wirtschaftswert der Veranstaltung profitiert, der 850 bis 950 Millionen Euro beträgt. So spült das Oktoberfest Steuereinnahmen aus Dienstleistungen, Hotel und Gastronomie in die städtischen Kassen – ganz abgesehen vom Image- und Werbewert.

Der für die Wiesn zuständige Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft hat stets darauf geachtet, dass die Standgelder die kalkulierbaren Kosten decken und nicht als Preistreiber für die Veranstaltung wirken. Bis einschließlich 2007 konnten mit der am Prinzip der Kostendeckung orientierten Standgeldkalkulation über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren regelmäßig Überschüsse erzielt werden.

Nach erkennbaren Ausgabensteigerungen wurden in den Jahren 2000, 2004, 2006 und zuletzt im Jahre 2010 Stadtratsbeschlüsse gefertigt, die eine Gebührenerhöhung nach sich zogen, um ein defizitäres Ergebnis zu vermeiden. Im Betrachtungszeitraum des Revisionsamtes von 2006 bis
2010 wurde ein durchschnittlicher Kostendeckungsgrad von 106 Prozent erzielt. In den Folgejahren sind tatsächlich Unterdeckungen zu verzeichnen.

Die Ursache dafür sind unkalkulierbare Belastungen, deren finanzielle Auswirkungen in der mehrjährig geplanten Gebührenkalkulation nicht vorhersehbar waren. Die Kostensteigerungen konnten daher nicht kurzfristig durch Standgelderhöhungen ausgeglichen werden. So wäre zur Finanzierung der Sicherheitsmaßnahmen, zum Beispiel durch den Einbau der Poller, eine Standgelderhöhung um durchschnittlich 33 Prozent erforderlich gewesen. Der Stadtrat hat die Verwaltung jedoch beauftragt, die Standgelder auf drei Jahre (2011 bis 2013) verteilt zu erhöhen.

Der Referent für Arbeit und Wirtschaft Dieter Reiter: „Ziel bei der Festlegung der Standplatzgelder bleibt auch in Zukunft, dass die Kosten der Wiesn nicht von den Steuerzahlern finanziert werden. Und: ich will nicht durch Platzgelderhöhungen zur Gewinnerzielung die Preise auf der Wiesn treiben.“

Zur Kritik, die Standgelder würden intransparent festgelegt, stellt das Referat für Arbeit und Wirtschaft fest: Die Höhe der Standgelder wird durch die Faktoren der Nutzungsart, der Größe und der Güte des Standplatzes bestimmt und baut auf langjährige Beobachtungen und Sachkenntnis der Verwaltung auf und ist über Jahrzehnte gewachsen. Die Empfehlungen des Revisionsamts zur Festlegung der Standplatzentgelte werden vom Referat für Arbeit und Wirtschaft unter dem Gesichtspunkt einer erhöhten Transparenz aufgegriffen und geprüft.
(Quelle: Landeshauptstadt München, Rathaus Umschau Montag, vom 27. August 2012, Ausgabe 162)

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