Dr. med. Bernd Kleine-Gunk, Gynäkologe, Ernährungsmediziner, Anti-Aging-Spezialist und leitender Arzt an der EuromedClinic Fürth, spricht von einem "Schutzgeist aus der Rotweinflasche". Besonders reich an Resveratrol sind Rotweine aus Anbaugebieten mit klimatischen Herausforderungen wie krassen Temperaturschwankungen, hoher Luftfeuchtigkeit: deutsche, französische (Bordeaux) und chilenische Rotweine. "Je mehr die Traube gefordert wird, desto höher ist ihr Gehalt an Resveratrol." Die Rebstöcke setzen den Stoff bei Stress durch UV-Strahlung, Pilzbefall und Insektenattacken ein.

Beim Menschen ist Resveratrol Studien zufolge bei Entzündungen hilfreich, auch bei chronisch entzündlichen Prozessen, die mit Rheuma einhergehen und unter anderem Arteriosklerose und Krebs begünstigen. Möglicherweise kann der Pflanzenwirkstoff auch Übergewichtigen helfen. Tierversuche zeigen bereits ermutigende Ergebnisse.

Mit rotem Traubensaft werden die positiven Wirkungen nicht erzielt, weil der Gehalt an Resveratrol sehr gering ist und weil der Alkohol fehlt. Denn laut Dr. med Bernd Kleine-Gunk kommt es nicht allein auf Resveratrol an, sondern auch auf den Alkohol. "Moderater Alkoholkonsum dient der Gesundheit. Abstinenzler haben ein hohes Gesundheitsrisiko!" Alkohol kräftige Herz und Kreislauf und erhöht den Spiegel des "guten Cholesterins" HDL im Blut. Was ist nun moderater Alkoholkonsum? "Frauen können guten Gewissens ein bis zwei Gläser Rotwein zu sich nehmen, Männer zwei bis drei."
Doris Losch