Die Regale der Supermärkte locken mit Thementees wie Buddhas Wiedergeburt, Lohe der Leidenschaft oder Volles Konto (haben wir noch nicht gesehen, wäre aber eine gute Idee).

Bevor wir jetzt noch beim Abführtee landen, kommen wir lieber endlich zum Thema, nämlich zu den Klassikern Schwarztee, Weißtee, Grüntee. Passionierte Teetrinker verbinden damit Zeremonie, Genuss, Anregung ohne Aufregung, geistreiche Gespräche. Manche sehen Sahnewölkchen im goldenen Tee schweben oder denken an silberne Samowars und gesellige Stunden. Was aber passiert in der Gastronomie?

Schlimmes. Teeproduzenten bieten seit Jahrzehnten einschlägige Schulungen fürs Personal an, anscheinend vergebens. Sonst wäre folgendes nicht passiert: Bestellt ein Gast in einer so genannten „In-Location“ einen Schwarztee. Immerhin bietet die Restaurantfachfrau (wie sich herauskristallisiert ist es aber eine Ferienjobberin) zur Wahl einen Darjeeling oder einen English Breakfast an. Das ist doch schon mal was! Sogleich gut gelaunt bestellt der Gast einen English Breakfast und sieht dem Gaumengenuss freudig entgegen.

Dann serviert die Bedienung einen riesigen „Bol“ – wie ihn die Franzosen für ihren Café au lait verwenden – mit nacktem, schon etwas länger heißem Wasser plus Schälchen samt Teebeutel – English Breakfast. Am Rande einer behandlungswürdigen Depression taucht der Gast den Teebeutel ins Wasser, schwenkt ihn ein wenig herum, nippt an der – äh - Flüssigkeit – und schweigt. Wird es der ganz normalen Gastronomie nie gelingen, anständigen Schwarztee zu servieren, mit Hilfe eines dekorativen Samowars beispielsweise oder einfach nur mit Hilfe k o c h e n d e n Wassers? Angesichts stolzer Verdienstspannen einer Portion Tee sollte das doch möglich sein.

Passiert das nicht, raten wir Teetrinkern, die Gleichstellungbeauftragten der Bundesregierung auf die Tatsache der ständigen Bevorzugung von Kaffeetrinkern – Kaffee wird schließlich meistens vorbildlich serviert! – und der unerträglichen Ausgrenzung von Teefreunden aufmerksam zu machen. Deutsche Gastronomen könnten bei den türkischen Kollegen vorbeischauen, die servieren nämlich wunderbaren Schwarztee, heiß und köstlich! Wie machen die das bloß ….

Doris Losch