Gleichwohl hat es dieses Brauereiunternehmen über die Jahrhunderte hinweg verstanden, sich bis in die Gegenwart hinein, selbstbewusst am Biermarkt in Bayern zu behaupten. Investionsbereit und innovationsfreudig, aber auch weitsichtiges Unternehmertum, verbunden mit maßvoller Risikobereitschaft – das waren und sind hier die wesentlichen Erfolgsfaktoren. Nicht zuletzt wirkt sich ein harmonischer Familienzusammenhalt wohltuend auch auf den Gemeinschaftsgeist der Mitarbeiter aus.
Innovationen wie etwa die eigene Kläranlage (1973), Neubau des Sudhauses (1974) und des Gärkellers (1978), Neubau des Lagerkellers mit stehenden Tanks (1983), computergesteuerten Reinigungs- und Abfüllanlage für KEG-Fässer (1987), Wärme- und Stromversorgung mit Biogas (1990) waren ebenso revolutionierend wie die Einführung von Schraubverschlussflaschen (1993), die exklusiv für „Pyraser“ gestaltet worden waren. Auch der teilbare Bierkasten sorgte branchenweit für große Beachtung. Hinzu kamen beispielsweise die Installation zweier Industrieroboter, die das Aus- und Einpacken der Flaschen übernehmen (1997) oder die Errichtung eines eigenen Gaswerkes (2004), das wertvolles Biogas liefert.
Die meisten dieser Neuerungen stammen aus der Ideenschmiede von Brauereibesitzer Georg Bernreuther, der seit mehr als 30 Jahren diesen mittelständisch geprägten Brauereibetrieb leitet. Seine Tochter, Marlies Bernreuther, ist die Einzige von insgesamt vier seiner Kinder, die sich für die Fortführung des Familienunternehmens so interessiert, das die heutige Betriebswirtin VWA und Doemens Getränkebetriebswirtin seit 2006 in die Unternehmensführung mit eingebunden ist. Ab 1. Januar 2010 wird sie als Inhaberin die Verantwortung für die Familienbrauerei tragen.
[Welches sind Ihre wichtigsten Aufgaben, die Sie hier im Hause erledigen?]
Ich bin für Marketing, Vertrieb, Logistik, Lager und Fuhrpark sowie für die Personalführung zuständig. Mein Vater verantwortet die Bereiche Produktion und Finanzen.
[Haben Sie seit Eintritt in die Brauerei Änderungen vorgenommen?]
Änderungen sind bei uns ein eher fließender Prozess, an dem alle mitarbeiten. Wir reagieren auf die Anforderungen des Marktes. Wir beginnen gerade beispielsweise mit der Umstellung von den schweren Glasflaschen auf leichte PET-Flaschen, in die wir zukünftig unsere alkoholfreien Getränke und Mineralwässer abfüllen werden. In diesem Sinne habe ich seit 1995 bei Veränderungen in unserer Brauerei mitgemacht. Ebenso war ich bei der Modernisierung unserer Firmenidentität mitbeteiligt. Wir haben beim Schriftzug und Farbwahl behutsame Änderungen vorgenommen.
[Gibt es Dinge, die Sie nicht so gerne machen?]
Technische Weiterentwicklungen zu planen, das mag ich nicht so sehr. Diesen Nachteil kompensiere ich mit meiner Lieblingsaufgabe Personalführung, denn der Umgang mit unterschiedlich veranlagten Menschen, deren Denken und Fühlen nachzuvollziehen, das ist es, was mich reizt.
[Könnten Sie das präzisieren?]
Nun, wenn man den „Faktor Mensch“ rein vom Organisatorischen her betrachtet, dann muss man – und ich praktiziere das ganz bewusst – mit ihnen Zielvereinbarungen treffen und mit ihnen Gespräche führen, ob und inwiefern diese Ziele erreicht wurden. Daraus lässt sich eine ziel- und leistungsabhängige Entlohnung ableiten. Das macht vor allem im Vertrieb Sinn! Hier laufen bereits Zielvereinbarungen, deren Umsetzungen erst noch abgewartet werden müssen. Mein persönliches Ziel ist es, unsere Mitarbeiter so zu motivieren, dass sie unternehmerisch mitdenken, ohne den wichtigen Part ressourcenschonenden Vorgehens aus den Augen zu verlieren. Diese Anstrengungen werden mit einem entsprechenden Erfolgshonorar belohnt. Außerdem bin ich der Ansicht, wenn alle Stellgrößen in einem Unternehmen entsprechend ausgerichtet sind, entsteht bei allen Mitarbeitern mehr Achtung vor dem Gesamtablauf der Bierherstellung mit seinen natürlichen Rohstoffen und hoch technischen Anlagen.
[Was macht die Qualität Ihres Teams aus?]
Wir greifen oftmals die Vorschläge unserer Mitarbeiter auf. Ich plane zudem Team-Vertiefungsseminare, und zwar abteilungsweise und abteilungsübergreifend. Wir verbringen relativ viel Freizeit miteinander bei gemeinsamen Wochenendeinsätzen, Bierzeltbesuchen oder unsere so genannten Führungsfahrten über mehrere Tage. Diese Woche feiern wir zum Beispiel abends zusammen, dass einer unserer Mitarbeiter bei der Deutschen Meisterschaft des Staplercups teilnimmt. Ende August pflücken wir aus unserem kleinen Hopfengarten gemeinsam den Hopfen für unser Hopfenpflückerpils. Sie sehen – es macht uns einfach Spaß zusammen!
[An welchem Projekt arbeiten Sie in Ihrem Betrieb derzeit, bzw. gibt es neue Projekte?]
Derzeit arbeiten wir an der Markteinführung eines Zusatzsortiments alkoholfreier Getränke in PET-Flaschen.
[Wie wird sich Ihrer Meinung nach zukünftig der Bierpreis entwickeln?]
Man sieht es an der Inbev, die mussten in diesem Jahr den Kasten Bier um 1 Euro verteuern. Mit anderen Worten: auch große Brauereien müssen langsam Geld verdienen. Was dort bisher in Sachen Bierpreis passiert ist, ist extrem unfair. Insgesamt betrachtet müssen sich die Preisanhebungen bei allen Produkten und Energiekosten wieder konsolidieren. Ich hoffe, es wird keine Querschläger geben! Der Bierpreis wird sicher in gleichem Maße wie andere von landwirtschaftlichen Produkten abhängige Lebensmittel steigen. Ich wäre für Gleichsetzung mit Wein und somit für einem Wegfall der Biersteuer. Wein wird in Deutschland immer noch subventioniert und ist nicht gesondert besteuert!
[Welche Entwicklung werden kleine und mittlere Brauereien in Bayern nehmen?]
Mittlere Brauereien werden wegfallen, vor allem deshalb, weil sie nicht investiert haben. Auch die Kostensteigerungen können sie nicht mehr wegstecken, das ist nicht mehr drin. Kleine Hausbrauereien hingegen halten die Bierkultur am Leben. Sie müssen deshalb in Bayern erhalten bleiben. Das Brauereisterben darf nicht weitergehen.
[Wie definieren Sie Geschäftserfolg?]
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Arbeit Spaß machen muss, dann bin ich auch erfolgreich. Gewinnmachen und Arbeitsplätze erhalten, das ist der Sinn der Sache, dabei müssen alle Mitarbeiter und Familienmitglieder an einem Strang ziehen.
Das Interview führte Brigitte Karch
Weitere Informationen:
www.pyraser.de
www.brikada.de
[Auf einen Blick:]
Pyraser Landbrauerei GmbH & Co. KG
Pyras 26
91177 Thalmässing
Tel.: 09174 / 47 47-0
Fax: 09174 / 47 47-19
e-Mail: info@pyraser.de
Internet: www.pyraser.de
Inhaber: ab 01.01.2010: Marlies Bernreuther
Zahl der Mitarbeiter: 60, davon 30% Frauen; 1 technischer Auszubildender
Produkte:
14 Biere sowie 6 Saisonbiere + Hopfenpflückerbier, Mineralwässer, Säfte, AfG und Brunnenlimonaden.
Produktionsumfang:
Jährlicher Ausstoß: insgesamt 130.000 hl, davon 70.000 hl Bier, 50.000 hl AfG und 10.000 hl Handelswaren
Distribution:
Gastronomie 20
Handel: 75 Prozent
Fest: 3 Prozent
Export: 2 Prozent
Aktivitäten: Jährlich 1 Brauertag im Dezember sowie über 170 Feste. Brauereifest im Juni und Kinderfest im August, jeweils im Pyraser Gutshof.
