Bei aller Machtfülle hat die 61-Jährige ihre Bodenhaftung nicht verloren. Sie ist sozusagen menschlich geblieben, zeigt auf der einen Seite viel Herz und Herzlichkeit, Entgegenkommen und Verständnis für ihre Umgebung und Mitarbeiter. Auf der anderen Seite verfügt sie über willensstarke Durchsetzungsfähigkeit, eine unerlässliche Portion analytischen Menschenverstandes und ein schier unglaubliches Kreativpotenzial – all dies sind glückhafte Voraussetzungen, die es der parteilosen Dr. Weishäupl über Jahrzehnte hinweg ermöglichen, nahezu (weil diese Position durchaus Begehrlichkeiten weckt) unangefochten „ihre Frau zu stehen“.
Dr. Gabriele Weishäupl, die für ihre Verdienste mit zahlreichen Auszeichnungen, darunter mit dem Bayerischen Verdienstorden, geehrt wurde, ist in mehreren Verbänden Ehrenmitglied und vertritt die Landeshauptstadt München in 23 touristischen Organisationen und Verbänden.
Aus der Fülle der von ihr in enger Zusammenarbeit mit ihrem Mitarbeiter-Team kreierten Tourismusthemen seien einige Highlights hervorgehoben:
So gelang es ihr etwa, München mit den Leitthemen Museen, Musik, Sport, Familie, Natur, Shopping als bedeutende Tourismusdestination zu positionieren. Seit ihrem Amtsantritt als Leiterin des Tourismusamtes (TAM) am 1. März 1985 wurden insgesamt zehn Auslandsvertretungen installiert, darunter in den USA, Fernost, den Arabischen Golfstaaten (2005). Zudem ist das TAM als erste deutsche Tourismusorganisation seit 2000 auch in China vertreten.
Frau Weishäupl initiierte und führte beispielsweise Branchentreffs und Begegnungsforen wie den hochqualitätiven Professoren-Treff, den Munich Destination Mart und den Incoming Tag ein. Für sie stellte das Schlagwort “Sanfter Tourismus” eine besondere Herausforderung dar. Im Rahmen eines Gesamtkonzeptes für nachhaltigen und sozialverträglichen Tourismus bot sie in München als erste Großstadt weltweit zum Beispiel Sightseeing-Touren mit dem Radl an und konnte das mit den Bundesprojektpreis 1996 preisgekrönte Umweltkonzept für das Oktoberfest etablieren. Gleichwohl brachte sie unter anderem die Ausbildung der ersten Gehörlosen-Gästeführer sowie ein Konzept für barrierefreien Tourismus, das bis dato weltweit einzigartig war, auf den Weg. Darüber hinaus ist München seit 1999 als erste europäische Stadt Mitglied im touristischen Fachverband Gay and Lesbian Travel Association (IGLTA), der 2001 seine Jahreshauptversammlung in der Isarmetropole und damit erstmals in Europa abhielt.
Neben der Tatsache, dass München als erste touristische Großstadtdestination seit 1995 mit eigener Webseite vertreten ist, kommen aus dem Hause von Dr. Weishäupl starke Impulse, wissenschaftliche sozioökonomische Untersuchungen als Grundlagenforschung zu Tourismus und Volksfesten in München durchzuführen. Aber etwa auch die Eröffnung einer zentral gelegenen Touristinfostelle im Rathaus am Marienplatz und Umgestaltung der Infostelle im Hauptbahnhof als neues touristisches Servicekonzept, Konzepte für Familienfreundlichkeit auf Volksfesten und Märkten sowie die konsequente Förderung einer „sanften Wiesn" (u.a. durch Einführung von nichtalkoholischen Getränken, Lautstärkenregulierung der Musik in Festzelten, Förderung historischer Fahrgeschäfte) zeigen die breit gefächerten Themen.
In der Gesamtschau der aufgeführten Aktivitäten wird eines vor allem erkennbar: Auf vielen touristischen Gebieten hat das TAM mit Dr. Gabriele Weishäupl an der Spitze weit vorausschauend die Nase vorn, und dass nicht nur auf regionaler bzw. nationaler Ebene, sondern insbesondere im weltweiten Vergleich bedeutender Tourismusdestinationen.
Fragen an Dr. Gabriele Weishäupl:
[Welches war im Tourismusjahr 2008 Ihr persönlicher Themenfavorit?]
Das war die 850 Jahrfeier der Landeshauptstadt München. Dieser Veranstaltungsreigen stand im Zentrum unserer wachsenden Aufgaben. Persönlich hat mich dabei die Münchner Geschichte fasziniert mit ihrer Tradition und historischen Fülle, die sich besonders auf dem Stadtgründungsfest zeigte.
[Kulturthemen scheinen ja ohnehin ein Faible von Ihnen zu sein!]
Ja, das ist richtig. So rührten wir beispielsweise 2006 die Werbetrommel für das Thema „Königliches München – 1806 bis 2006“. Wichtige Anmerkung in diesem Zusammenhang ist, dass wir in den vergangenen 20 Jahren keine Agentur engagierten, sondern uns darauf spezialisierten, die Themen selbst zu kreieren.
[Welche touristisch bedingten Perspektiven ergeben sich mittelfristig für München?]
Die touristische Perspektive für München steht auf Wachstum. Wir werden in Bälde die 10-Millionen-Übernachtungsmarke gesprengt haben und wir stehen vor dem Rekordjahr 2010 mit Großereignissen wie 200-Jahre-Oktoberfest, Evangelischer Kirchentag und die Passionsspiele in Oberammergau. Eine weitreichende und gigantische Perspektive ist die Option, ob es München gelingt, als einzige Stadt weltweit mit der Winterolympiade 2018 ein zweites Mal Olympiastadt zu werden.
Brigitte Karch M.A.
[Hintergrund:]
Die wirtschaftliche Bedeutung Münchens ist enorm.
Einer Untersuchung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen
Instituts für Fremdenverkehr an der Universität
München (DWIF) kamen 2008 rund 104,5 Mio.
Besucher nach München, 95 Mio. Tagesgäste, davon 17
Mio. Tagesgeschäftsreisende und 9,5 Mio Übernachtungsgäste.
Der touristisch bedingte Umsatz lag bei 6,4 Mrd.
Euro. Gäste, die in 372 Hotels übernachteten, gaben
dabei etwa 190 Euro pro Tag aus. Rund 39% dieser Ausgaben
entfielen auf das Gastgewerbe für die Beherbergung
sowie Essen und Trinken in Restaurants.
Der Gesamthaushalt des Tourismusamtes belief sich 2008
auf rund 11,3 Mio. Euro. Knapp 60% der Ausgaben (rund
6,7 Mio. Euro) erwirtschaftet das Amt selbst, die restlichen
rund 40% Ausgaben kamen als Zuschuss von der Stadtverwaltung.
[aktualisiert für 2008]
Weitere Informationen:
www.muenchen-tourist.de
www.brikada.de
