Als mittlere von drei Geschwistern entschloss sich die fast 30-Jährige „aus Freude zum Beruf und Spaß an der Sache“ die elterliche Traditionsbrauerei, die seit 125 Jahren in Familienbesitz ist, weiter zu führen.
Für eine Frau, zumal in der Männer-dominierten bayerischen Braubranche, dürfte dies keineswegs eine leichte Aufgabe sein. Dennoch ist sich Stephanie Meyer der begleitenden Hilfe ihrer Eltern, Elisabeth und Karl Meyer, gewiss. Als Vertreterin der fünften Generation wird sie mit fundiertem Fachwissen und hohem persönlichen Einsatz die Marktposition des rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassenden Betrieb aufrecht erhalten.
[Welche Entwicklung werden kleine und mittlere Brauereien in Bayern nehmen?]
Meiner Meinung nach wird es zu einer Marktbereinigung kommen. Das heißt es werden sehr viele Betriebe wegfallen oder aufgekauft werden. Denn Fakt ist, dass die Entwicklung zu Riesenbrauereien d.h. Brauholdings anhält. Auf der anderen Seite befinden sich Gasthausbrauereien im Aufwind. Brauereien, die sich in unserer Größenordnung befinden, wird es zukünftig vermutlich kaum mehr geben. Wir von der Post-Brauerei-Nesselwang versuchen jedoch gegenzusteuern und werden uns gesund klein schrumpfen, um so unsere derzeitige Position am Markt zu bewahren. Aber auch dieser Schritt bedeutet für unsere familiengeführte, mittelständische Brauerei einen krassen Einschnitt.
[Was halten Sie von der vielfach geäußerten Ansicht, das der Beruf Brauer eine reine Männerdomäne ist?]
Ich denke, es gibt wenig Frauen, die den Beruf des Brauers bzw. Braumeisterin ausüben. Dennoch befinden sich in unserem Betrieb mit etwa 40 Mitarbeitern derzeit drei Frauen, die einen Braumeisterkurs absolvieren. Das Bild hat sich etwas gewandelt. Aber unbestritten bleibt, dass die Arbeit als Brauer oder Braumeister großen körperlichen Einsatz erforderlich macht. Der Beruf bedeutet Knochenarbeit, und zwar bei sehr tiefen und sehr hohen Temperaturen – das ist oftmals eine Quälerei. „Brauer“ wird eine Männerdomäne bleiben. Dennoch gibt es „Querberufe“ wie zum Beispiel Verwaltung, Labor, Einkauf oder Marketing, bei denen weibliches Feingefühl gefragt ist.
[Wie wird sich Ihrer Meinung nach zukünftig der Bierpreis entwickeln?]
Langfristig wird sich Bier nicht mehr als Massenprodukt verkaufen lassen, weil die Preise für Gerste und Hopfen enorm steigen werden. Statt dessen wird sich Bier zum Luxusprodukt entwickeln. Zukünftig werden sich die Bierpreise den Weinpreisen anpassen.
[Wie definieren Sie Geschäftserfolg?]
Zum Geschäftserfolg gehören verdammt viel Wissen, Können und Erfahrung und manchmal auch ein bisschen Glück, weil Bier ein Naturprodukt ist und durchaus eigenwillig reagiert.
Das Interview führte Brigitte Karch
Weitere Informationen:
www.post-brauerei-nesselwang.de
www.brikada.de
[Auf einen Blick:]
[Wer?]
Brauerei-Gasthof Hotel Postund
Post-Brauerei-Nesselwang Karl Meyer
[Inhaber:] Elisabeth und Karl Meyer, Stephanie Meyer, Unternehmensnachfolgerin in spe
Adresse:
Hauptstraße 25
87484 Nesselwang
Telefon: 08361 / 30960
Telefax: 08361 / 30974
info@post-brauerei-nesselwang.de
http://www.post-brauerei-nesselwang.de/
[Zahl der Mitarbeiter:] ca. 40 (in Gastronomie und Brauerei)
[Produkte:]
[Sorten:] 7 sowie ca. 15 verschiedene Spezial- und Saisonbiere sowie Biermischgetränke; Libella Limonaden (Konzession), Spezi und Handelsware (z.B. Wasser, Tafelwasser)
[Produktionsumfang:]
Jährlich jeweils 10.000 hl Bier sowie AFG
Distribution:
Gastronomie
GAM
Export (Italien, Russland)
