[Vor elf Jahren, genau zu Beginn des 21. Jahrhunderts, startete die Vereinigung der Winzerinnen im Burgund, „Femmes et vins de Bourgogne“. Was haben Sie in dieser Zeit erreicht?]
Wir hatten sechs Gründungsmitglieder, heute gehören der Organisation 37 Frauen an mit Châteaux und Domaines von Chablis bis Macon. Wir repräsentieren die gesamte Region im Herzen Frankreichs. Ich wurde 2008 als Präsidentin und Nachfolgerin von Anne Parent gewählt. Alle Frauen sind in ihre Familien-Weingüter eingebunden. Wir wollen unser Wissen und unsere Erfahrungen austauschen, weil wir es alle mit ähnlichen beruflichen und familiären Verpflichtungen und Herausforderungen zu tun haben. Wir haben erkannt, dass wir nicht nur unsere eigene Kindern, sondern alle Kinder und junge Leuten generell für unser kulturelles Familienerbe begeistern müssen, für den Wein und den Weinanbau. So haben wir angefangen, in die Schulen zu gehen und den Kindern kulturelle Werte zu erklären und ihnen unsere großartiges kulturelles Erbe ans Herz zu legen.
[Lässt sich der Unterschied des Weines von Winzerinnen und Winzern am Ende sogar schmecken?]
Die gesellschaftliche Rolle der Frauen hat sich gewandelt. In unserem Metier hat sich aber erst vor einer Generation wirklich etwas getan. Heute hat aber kein Winzer mehr Bedenken, seiner Tochter die Verantwortung für das Weingut zu übergeben. Wir sehen uns aber keinesfalls als Rivalinnen der Männer. Wir packen die Dinge auf andere Weise an. Männer reden vielleicht ein wenig mehr über Technik. Frauen sind emotionaler. Wir nehmen das Thema Sensorik sehr ernst, wir sprechen beispielsweise darüber, welche Weine mit welchen Speisen harmonieren, den Ausdruck der einzelnen Terroirs. In jedem Fall: Wir sind feminin, aber keine Feministinnen. Es gibt also keine „typisch weiblichen“ oder „typisch männlichen“ Weine. Sie finden elegante Weine von Winzern und kraftvolle Weine von Winzerinnen. Überdies haben sich die Geschmacksvorlieben der Verbraucher ebenfalls weiterentwickelt und nicht wenige Frauen mögen kraftvolle Weine und nicht wenige Männer so genannte „feminine“ Weine.
[Weltweit gibt es erhebliche Überkapazitäten in der Weinerzeugung. Wie behaupten sich Burgunder-Weine in Frankreich und auf dem deutschen Markt?]
Die Weine aus der Bourgogne machen nur 0,5 Prozent der Weltproduktion aus. Die Qualität unserer Appellations – es sind 100, davon 33 Grands Crus – ist überragend. Unsere Terroirs, unsere 2000-jährige Weinbautradition, das damit verbundene profunde Wissen über den Umgang mit Rebstöcken, Trauben und Wein bringen uns weltweite Anerkennung ein. Das alles hilft uns beim Verkauf. Ein Problem sind die gestiegenen Produktionskosten. Die in den vergangenen Jahren neu am Weinmarkt aufgetretenen Länder haben niedrigere Produktionskosten und größere Werbebudgets. Wir müssen unsere Weine unbedingt noch besser bekannt machen, intensiver über ihre Qualität informieren, wir müssen mehr kommunizieren, damit die Menschen sich richtig dafür begeistern. Es stimmt, dass in Deutschland unsere Weine nicht unbedingt „verstanden“ werden. Wir müssen sie besser erklären.
[Die Fragen stellte dagusta-Mitarbeiterin Doris Losch, die ebenso die Übersetzung aus dem Französischen besorgte.]
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www.brikada.de
www.fevb.net
