Das theoretische Fundament lieferte Prof. Dr. Theo Eberhard, Dekan der Fakultät für Tourismus.
Heute könnten Einzelpersonen ihre eigenen Reiseveranstalter werden und andere dazu animieren mit ihnen zu reisen. Damit verlören die Veranstalter ihre „Wissenshoheit“. „Der Markt wird sich verändern“, ist sich Eberhard sicher. „Wir leben in einem Umbruch.“

Aus der Praxis berichten Markus Barnikel, Geschäftsführer von Carpooling.com. Nicht nur viele junge Menschen seien Kunden der Ride-Sharing-Plattform, die allein im Dezember 2011 eine Million Menschen von A nach B gebracht hat. Auch Geschäftsleute und Großmütter nutzten den Dienst. Mittlerweile wurde auch die Bahn integriert und innerhalb von drei Monaten stieg Carpooling.com zu einem der größten Online-Ticket-Partner der Bahn auf. Selbst airberlin und Busunternehmen findet man auf der Plattform.

Das gilt auch für die Vermieter von Privatunterkünften. Das Konzept beruhe auf Vertrauen, erklärt wimdu-Chef Christopher Oster. Vielfältig wie die Angebote von Privat, aber auch gewerblichen Anbietern(„Jede Woche kommen 1000 Unterkünfte hinzu“) seien auch die Nutzer, die zwischen fünf und 3000 Euro für die Nacht zahlten, teilweise auch 30 000 Euro für Spezialangeboten wie ein ganzes Dorf.

Verglichen mit Carpooling und wimdu ist die Mitesszentrale eine noch kleine Plattform. Die Idee „Facebook am Esstisch“ kam den beiden Gründern und Geschäftsführern Markus Henssler und Jörg Zimmermann. Ziel sei „Kommunikation am Esstisch statt Chat am Computer.

Die Gründerinnen des start-ups „nectar & pulse“ „scouten“ für ihre Reiseführer von Seelenverwandten „Locals“ mit Insider-Erfahrung. Mit Leuten über 50 hatten sie dabei gar nicht gerechnet, so Tanja Sieder.

Fazit: Trotz allen Wandels, Geld regiert immer noch die Welt. Und so sind, wie Prof. Eberhard, urteilt „viele Modelle weit entfernt vom altruistischen Teilen, sondern eher coole Geschäftsmodelle.“

Wobei er nichts dagegen habe. Was ihn interessiere sei vielmehr: „Warum vermietet jemand seine Wohnung, warum geht jemand in die Privatwohnung statt ins Hotel, an den familiären Esstisch statt ins Restaurant?“ Die Erklärung schiebt er gleich nach: Der Kunde wolle näher dran sein am Produzenten, mehr teilhaben. Statt „in der Single-Wohnung sein Single-Essen zu kochen und allein zu verspeisen“, suche er „in unserer atomisierten Gesellschaft“ die Gemeinschaft.

Vor allem für Hoteliers sind solche Plattformen eine gefährliche Konkurrenz, weil sie nicht den Zwängen unterworfen sind, die im Hotelgewerbe selbstverständlich sind. Prof. Eberhard ist überzeugt davon, dass auch der traditionelle Tourismus umdenken müsse.
(Quelle: Lilo Solcher)

Weitere Informationen:
www.touristische-runde.de
www.carpooling.com
www.wimdu.de
www.nectarandpulse.com
www.mitesszentrale.de
http://tr.fh-muenchen.de