Deshalb wird der Stramme Max auch mit Springbockschinken zubereitet, Eisbein und Wiener Schnitzel klassisch mit Schwein und Kalb. Zu verdanken sind diese Quereinsteiger zur namibischen Küchentradition der Tatsache, dass das Land einst „Deutsch Süd-West“ hieß und zur unrühmlichen Kolonialgeschichte des deutschen Kaiserreiches zählt.
Maureen Posthuma von der namibischen Touristenorganisation Namibia Tourism Board Europa hat ein schönes Vorwort geschrieben. Sie preist die „köstlichen Wildgerichte“ ihres am Atlantik (links oberhalb von Südafrika) gelegenen Landes wie Kudu, Oryx, Springbock gegrillt, zarten grünen Spargel, Austern- und Fischgerichte und die nur an Termitenhügeln nach heftigen Regengüssen gedeihenden Omajova-Pilze. Alles würde auch den anspruchsvollsten Gaumen genügen. Gut vorstellbar ist das u.a. bei Ziegenkäse-Mousse – viele namibische Farmer produzieren Ziegenkäse –, Gnu-Schmorbraten mit Shiraz, Lammfrikadellen, Fasanenbrust mit Kalahari-Trüffeln, Hummerkrabben in Omajova-Rahm. In die Richtung kulinarische Mutprobe dagegen weisen Gebratene Schlange (falls keine Schlange zur Hand, tut’s ein Aal), Mopane-Raupen, Gebratene Stachelschweinhaut. Ach, dann vielleicht doch lieber einen Strammen Max oder Kartoffelsalat, für den es seltsamerweise auch ein Rezept gibt.
Gastronomen, die ihre Gäste mal etwas wirklich Exotisches – vielleicht zur Fußball-WM - servieren möchten, müssen die für jeweils vier Personen angegebenen Zutaten hochrechnen. Positiv: das absolut küchentaugliche und nicht auf edel getrimmte Buch kann ruhig mal einen Fettfleck abbekommen.
Wagemutige finden einen Bezugsquellennachweis für in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Sachen Spezialitäten à la Schlange, Kroko, Zebra aus dem südlichen Afrika.
[Doris Losch]
Evert Kornmayer: „Klassische & Moderne Rezepte aus Namibia“, über 200 Rezepte aus den Küchen der Farmen, Restaurants und von den Lagerfreuern im Südwesten Afrikas, 204 Seiten, Softcover, zahlreiche SW-Bilder und Illustrationen, 12.95 Euro, ISBN 978 3 9808785 4 8, erschienen im Verlag Gebrüder Kornmayer, Rödermark.
