Vor allem absoluten Oktoberfest-Neulingen gelingt es, dem größten Bierfest der Welt, neue, bislang unentdeckte Perspektiven abzugewinnen. Dabei bleiben die „Basisdaten“ unverrückbar: der offizielle Fassanstich durch den Oberbürgermeister von München, das Wiesnbier, die bayerischen Schmankerl – von Enten, Schweinsbraten und Leberkäs´ – bis hin zu Schaustellern und Fahrgeschäften mit Luftballonschießen und halsbrecherisch wirkenden Achterbahnen. Nicht zu vergessen sind Kettenkarrussel, Autoscooter und Schiffschaukeln.

Alles nicht neu? Nun, so wie es Cyril Mariaux mit feinem Humor beschreibt und Vincent Minner in zarten Zeichnungen umsetzt, ist man verblüfft, dass all das sattsam Bekannte eine durchaus eigenwillige Note bekommt.

Und dennoch, es bleibt eine emotionale Distanz, wie es bei Nicht-Bayern auch nicht anders zu erwarten ist; denn dass Urwüchsige, die viel zitierte und beneidete „bayerische Gemütlichkeit“, das Menschen verbindende Wiesnflair bleiben auf der Strecke. Das erkennt der Betrachter spätestens bei der zeichnerischen Darstellung der Wiesn-Besucher, die merkwürdig „blutleer“ bleiben und kaum als „echte Bayerinnen und Bayern“ verifiziert werden können. Aber das war möglicherweise auch gar nicht die Intention. Offensichtlich legten Mariaux und Minner den Fokus auf „graphic novel“, also Bildergeschichten aus sicherem (inneren) Abstand zum Bodenständigen.

Alles in allem: ein hübsch aufgemachter Text-/Bildband, der im Regal bemerkenswerter Oktoberfest-Literatur nicht fehlen sollte.

Cyril Mariaux, Vincent Minner: „Oktoberfest“ Hardcover, Bildband, 36 Seiten, 12,90 Euro, 978-3-86222-004-5, erschienen im Volk Verlag München.