Früher war alles besser? Nein, das nicht, aber es war – so legt es „Das Festmahl des John Saturnall“ nahe – aufregender, sinnlicher, magischer.

Der Name Saturnall spielt nicht von ungefähr an die Saturnalien des alten Rom an. John Sandall alias Saturnall ist der Sohn der kräuterkundigen Dorfhexe, die einen Wissensschatz über Pflanzen und Rezepte hütet. Ein abgenutztes, doch kostbares Buch birgt fantastische Malereien von Trauben und Bienenkörben, Dattelpalmen, Gewächsen, Blüten und Früchten aus fernen Ländern, Fischen, Vögeln, Krebsen … Johns Faszination steigert sich noch, als ihm seine Mutter mit den Wirkkräften der Pflanzen und Kräuter der umgebenden Landschaft vertraut macht. Er bringt es im Wahrnehmen und Riechen von Aromen aller Art zur Meisterschaft.

Beste Voraussetzungen um, als er von Religionsfanatikern aus dem Dorf gejagt wird, im Herrenhaus Buckland vom Küchenjungen zum Koch aufzusteigen und das Herz von Lucretia, der verwöhnten Tochter Sir Williams zu gewinnen. Er betört sie natürlich nicht zuletzt mit seinen Kochkünsten. Diese sind wahrlich außergewöhnlich, voller Magie und Alchimie – davon können heutige convenience-verliebte (oder – geplagte?) Köche in ihren volltechnisierten Küchen nur träumen.

Vor dem inneren Auge der Leser entfaltet sich ein lebenspralles Gemälde mit sinnesprallen Tafelfreuden, das reinste Küchentheater. Es mangelt aber auch nicht an Grausamkeiten und Enttäuschungen. Am Ende steht Versöhnung: „Nie hat ein Gericht mir köstlicher gemundet … John tauchte den Löffel ein und beugte sich über den Tisch: Kostet!“
Wir schließen uns dem an und sagen: Lest!

Übersetzerin Melanie Walz hat Großartiges geleistet und die reiche Sprache des englischen Originals kongenial ins Deutsche übertragen.
[Doris Losch]

Lawrence Norfolk: „Das Festmahl des Lawrence Saturnall“, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 448 Seiten, Euro 24.99, ISBN 978 3 8153 0366 1, erschienen im Albrecht Knaus Verlag, München.