Irgendwie scheinen die Rezepte ein klein wenig aus der Zeit gefallen zu sein. Ja, sind sie auch, denn es handelt sich um Hofmenüs der Dresdner Hofküche vom Ende des 19. Jahrhunderts. Und da ging es (von Convenience und industriell gleichgeschalteten Lebensmitteln war man weit entfernt) ziemlich kompliziert zu.

Gourmet-Großmeister Wolfram Siebeck, Georg W. Schenk, seit vielen Jahren bei Slow Food engagiert und Hersteller von Edelbränden aus alten sächsischen Obstsorten, und schließlich als Dritter im feinschmeckerischen Bunde Prof. Dr. Josef Matzerath vom Institut für Geschichte der TU Dresden, haben die Rezepte von einst den heutigen Geschmacksnerven und küchentechnischen Erfordernissen angepasst. Herausgekommen ist etwas sehr – Exquisites. Acht Hahnenkämme werden z.B. für ein Rezept. Da kommt schon ein etwas gewöhnungsbedürftiger Anblick auf den Tisch. Aber wahrscheinlich sind wir Heutigen nur zu zimperlich.

Ein Glossar als Ergänzung hätte nicht geschadet. Oder weiß jeder, was Süster und ein Othello sind?

[Dagusta-Empfehlung:] Originell zu lesen, kulturhistorisch durchaus von Reiz.
[Doris Losch]

Wolfram Siebeck/Georg W. Schenk/ Josef Matzerath: „Hofmenüs für heute, Rezepte vom Dresdner Hof, zubereitet von sächsischen Köchen und Pâtissiers, 284 Seiten, Hardcover mit Goldprägung, zahlreiche Farbabbildungen, Euro 45.00, ISBN 978 3 7995 0503 1, erschienen im Jan Thorbecke-Verlag, Ostfildern.