Seine zwischen die Rezepte eingestreuten Anekdoten über seine zahlreichen Abenteuer geben der amüsanten Lektüre zusätzlich Pfeffer. In „Maagische Momente“ dreht es sich nämlich um Aphrodisiaka aus Topf und Pfanne, schweizerisch ordentlich gegliedert nach Jahreszeiten incl. Narrensaison. Für die Faschingstage hat er „hemmungslose Schlemmereien“ kreiert wie Kleine Schweinereien im Schlafrock oder Felchen-Carpaccio mit Zitrone und Liebstöckel. Aber das meiste ist ganz harmlos wie Kalbsfilet an Holundersauce (Goldener Herbst) oder Ziegenkäse in Brüsseler Zapfen mit beschwipsten Sultaninen (Frühsommer) und Frühlingsrolle vom grätenfreien Bodenseehecht mit Bärlauchsoja. Aber Thuri Maag rät auch zu „Liebeschaum“ (Sabayon), zu Pflaume im Negligé an Vanille-Ingwer-Sauce, einem Süßen Beerenkuss mit Bananen-Zigarre, gar zu Rhabarbermousse-Busen mit knusprigen Zuckerspitzen (sieht süß aus) oder, uii, Zartem Brüstchen vom Stubenküken mit Spinat-Fotzelschnitte (ist im Schwyerischen ganz solide!). Das Blaue Kartoffelherz sieht dafür aus wie ein Vorschlag zum Kindergeburtstag.
Sehr nützlich der Anhang: Grundbrühen und Saucen, Unentbehrliches auf Vorrat (z.B. Holunderblütensirup, Rosenzucker) und die Warenkunde von Aceto Balsamico bis Zitronenpfeffer. Immer wieder betont Thuri Maag schelmisch, der großen Wert auf natürliche und frische Zutaten (regenerieren ist in seinem Restaurant tabu) legt, dass man schon auch an die aphrodisierende Wirkung seiner Rezepte glauben muss.
Damit die Leser bei der ganzen Aufregung in der Küche und sonstwo gesund bleiben, empfehlen wir den Champagnercocktail mit Granatapfel aus dem Kapitel Liebescocktails, denn Granatapfelsaft, so lobt der Chef, schütze vor Stress und Herz-Kreislauf-Entgleisungen. Wie auch immer, Liebe geht in jedem Fall durch den Maagen! Und deshalb ist das Buch zu Recht vom Deutschen Institut für Koch- und (Liebes.., pardon) Lebenskunst, zum Kochbuch des Monats ausgerufen worden. [Doris Losch]
Thuri Maag: Maagische Momente, prickelnde Leckerbissen für lustvolle Stunden zu zweit, broschiert, Fotos von Erwin Auf der Maur, 192 Seiten, 35 Euro, ISBN 878 3 85932 645 3, erschienen im Werd-Verlag, Zürich.
Dieser Text wird als Teil des Dagusta-Archivs bewahrt und nicht mehr aktualisiert. Termine, Angebote und externe Verweise können inzwischen überholt sein.
