Eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet die extravagante Polin Mamutschka, wie sie von allen liebevoll genannt wird, mit dem isländischen Autor Halldor Gudmundsson. Sie begann 1986 anlässlich der Frankfurter Buchmesse. Halldor Gudmundsson besuchte das Restaurant Scarlet Pimpernel und tat sich an Schmalzbroten und Borschtsch gütlich. Und an jeder Menge Wodka, denn dieser fließt bei Mamutschka immer reichlich. So entwickelte sich eine dauerhafte Freundschaft und der Besuch der isländischen Messegäste wurde zum alljährlichen Ritual. Stets kochte Mamutschka groß auf, denn sie kann gar nicht anders.
Glücklicherweise hat sie ihre Lebens-Rezepte – weitestgehend – dem Autor verraten und der hat daraus ein hochinteressantes Buch gemacht, keine Biografie im üblichen Sinn, sondern eine faszinierende Geschichte über eine faszinierende Frau, die im Zarenreich, im „Dritten Reich“, in den kärglichen Nachkriegszeit mit Witz und List ihr Leben meistert und in der Wirtschaftswunderzeit in Frankfurt das Scarlet Pimpernel gegründet hat.
Lustig ging es in ihrem Leben keineswegs immer zu. Die Leser erfahren einiges – alles hat sie nicht verraten – über die Jahre in Litauen. Lieber liest man über das Scarlet Pimpernel und seine Gäste: Cat Stevens, Esther Ofarim, Deep Purple, Ella Fitzgerald. Das Kellerlokal mit dem Herd, an dem Mamutschka schon live kochte, als noch keiner etwas von „Front cooking“ ahnte und ihre Gäste buchstäblich nudelte. Ihr Kaffee hat alle wieder aufgerichtet: Viel Sahne mit Vanillezucker und einem Schlückchen Kaffee obendrauf.
Amüsante, aber auch zum Nachdenken anregende Lektüre, besonders für Gastronomen. [Doris Losch]
Halldor Gudmundsson: „Mamutschkas Lebensrezepte“, gebunden mit Schutzumschlag, 12,5 x 20 cm, 53 s/w-Bilder, 160 Seiten, 19.99 Euro, ISBN 978 3 442 75228 7, erschienen im btb-Verlag in der Random-House-Gruppe, München.
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