Stevia hat eine zweihundert- bis dreihundertfach höhere Süßkraft als Saccharose und enthält keine Kalorien. Damit könnte Stevia für Menschen mit Diabetes eine Alternative zu Haushaltszucker und synthetischen Süßstoffen darstellen. Allerdings ist eine Überdosierung mit unklaren Folgen leicht möglich. Nur bedingt empfehlen deshalb diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) Stevia für Menschen mit Diabetes, wie sie in einer aktuellen Stellungnahme betonen.

Steviolglycoside, umgangssprachlich „Stevia“ genannt, wird aus der Pflanze „Stevia rebaudiana“ gewonnen, auch als „Süßkraut“ oder „Honigkraut“ bekannt. Stevia ist zweihundert- bis dreihundertfach süßer als Saccharose und gilt als energiefrei.

Der Verzehr von Stevia gilt bei Einhaltung der duldbaren Tagesdosis (ADI) von 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als unbedenklich. Stevia ist weder kariesfördernd noch krebserregend, schädigt nicht das Erbgut und stört auch nicht die Fruchtbarkeit oder Entwicklung des Ungeborenen. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Stevia möglicherweise blutdrucksenkend wirkt. Zum Einfluss von Stevia auf den Blutzuckerspiegel stehen endgültige klinische Studien noch aus.

Steviolglycoside sind als Lebensmittelzusatzstoff E 960 unter anderem in Speiseeis, Zubereitungen aus Obst und Gemüse, Konfitüren und Gelees, Süßwaren oder Knabbereien auf Kartoffel-, Getreide-, Mehl- oder Stärkebasis erlaubt. Stevia ist außerdem in der häuslichen Küche als Flüssigkeit, Pulver oder Tablette anwendbar. In naher Zukunft kommen auch mit Stevia gesüßte nichtalkoholische Erfrischungsgetränke wie Limonaden auf den Markt.

diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe wertet ein höheres Angebot an kalorienreduzierten Getränken und anderen Lebensmitteln grundsätzlich positiv. In Bezug auf die Verwendung von Stevia seien jedoch drei Aspekte als kritisch anzusehen, erläutert Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Hans-Georg Joost, Wissenschaftlicher Vorstand am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DifE) und Leiter des Ressorts Wissenschaft von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe: „Die Gefahren einer Überdosierung von Stevia sind nach wie vor ungeklärt, für den Verbraucher ist die Dosierung derzeit schwer zu kontrollieren und die Geschmacksschwelle für ‚süß’ bleibt durch den unkontrollierten Einsatz von Süßstoffen weiterhin hoch“.

„Mit Stevia gesüßte Fertigprodukte und voraussichtlich auch Getränke sind nicht notwendigerweise gesünder. Wie auch bei Produkten mit herkömmlichen Süßstoffen sollte beim Verbraucher nicht der Eindruck entstehen, dass solche Lebensmittel unbedenklich konsumiert werden können, da sie vermeintlich keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel oder das Gewicht haben“, so auch Elisabeth Schnellbächer, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe (VDBD).

Weitere Informationen: www.diabetesde.org www.deutsche-diabetes-hilfe.de

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