Johann Lafer referiert in München über sein Herzensprojekt, die Schulmensa am Gymnasium am Römerkastell in Bad Kreuznach. Er betreibt sie seit November 2012 unter dem Motto „food@ucation - Wissen was schmeckt“ mit dem Ziel der Ernährungs-Bildung.
Kinder und Jugendliche wüssten heute sehr wenig über Lebensmittel. „In unsrer Gesellschaft ist extrem viel verloren gegangen.“ Richtiggehend erschüttert habe ihn, so berichtet er vor dem Publikum aus Handel und Gastronomie, die Begegnung mit einer Schülerin der neunten Klasse, die nichts kannte an Ost und Gemüse außer Karotten und Äpfeln. „Das hat mich fertig gemacht“, zumal sich die Aussage daran schloss: „Meine Mamma schneidet jeden Tag Beutel auf und legt mir das auf den Teller“. „Kinder wissen nicht, was Kohlrabi und Broccoli sind. So kann es nicht weiter gehen!“ Und weil Johann Lafer ein Mann der Tat ist, startete er vor drei Jahren die Initiative „food@ucation - Wissen was schmeckt“ gemeinsam mit der Leitung des Gymnasiums am Römerkastell in Bad Kreuznach. Er machte 2,8 Mio € beim Land Rheinland-Pfalz locker, 1,1 Mio € beim Landkreis, 200.000 € steuerte die EU bei, 1,2 Mio € kommen von privaten Investoren, sprich nicht zu knapp von Johann Lafer selbst.
In der Mensa essen an Schultagen zwischen 450 und 500 Kinder und Jugendliche, sie bezahlen 3 Euro für ein Essen, 1 Euro schießt der Landkreis zu. Über die 19 % Mehrwertsteuer regt sich Johann Lafer immer wieder gerne und ehrlich auf: „Tierfutter, Pornohefterl und Kondome sind nur mit 7 % belegt, Lebensmittel aber mit 19 % belastet!“ Schlimm finde er, berichtete der Starkoch und Unternehmer weiter, die so genannten Kinderkarten in der Gastronomie mit ihrem einfallslosen Einerlei aus Wiener Schnitzel, Würstchen, Pommes Rot-Weiß ...
„Wir haben es einfach noch nicht kapiert, doch es geht so nicht weiter. Wir brauchen eine Reform der Ernährung. Ich will die Schulverpflegung revolutionieren. Es ist höchste Zeit, denn Krankheitsbilder wie Diabetes und krankhaftes Übergewicht bei Kindern nehmen zu. Unser Verpflegungskonzept ist mehr als eine warme preiswerte Mahlzeit am Mittag. Kinder müssen ihren Geschmack bilden, man muss sie dafür sensibilisieren. Deshalb kommt unser Essen vom Acker auf den Tisch mit regionalen und saisonalen Produkten und hohem Genusswert.“ Alle Gerichte werden vom Mensabeirat, der aus Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrern besteht und von einer Schulökotrophologin beraten wird, vorgekocht. Bei den Speiseplänen herrscht demokratische Mitbestimmung, ebenso wie vom ersten Spatenstich bis zur Fertigstellung des Mensagebäudes alle Beteiligten gemeinsam über Baustoffe, Farben – grün, orange, rot – und Formen bis hin zum Tablett mit entschieden haben.
Zu seinen schönsten emotionalen Erlebnissen mit food@ucation zähle, so Lafer, wenn Kinder nach dem Essen simpler, aber selbstgemachter guter Gerichte wie Frikadellen mit Kartoffelpüree und Wirsinggemüse ihn bei der Hand nehmen und sagen „Johann, wir lieben Dich!“. Da wurde auch den Symposiumsteilnehmern ganz anders ums Herz. Die Österreicher haben’s halt drauf. [Doris Losch]
Weitere Informationen: www.foodeducation.de
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